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Erstellt vor über 2 Jahren von fenchelfisch   |   265 mal aufgerufen

Nokan - Die Kunst des Ausklangs

Kategorie: Sonstiges

Zugeordnet zur Gruppe: Filmkritik

Wer des Japanischen nicht mächtig ist, wird nach dem Blick auf das Plakat thematisch vielleicht in die falsche Richtung tippen. Aber Nokan ist das japanische Wort für Aufbahrung. Und genau darum geht es in diesem Film: Die japanische Bestattungszeremonie mit Totenwäsche, Aufbahrung, Abschiednehmen.

Nokan

Daigo, ein junger Cellisten, zieht nach der Auslösung seines Symphonie-Orchesters enttäuscht und desillusioniert mit seiner lieben und liebenden Frau zurück in den Norden Japans. Er bewirbt sich im Glauben, es handle sich um ein Reisebüro, in einem Bestattungsinstitut und begleitet nun Verstorbene auf ihrer letzten Reise. Zunehmend erkennt er das als seine Bestimmung, obwohl es kein angesehener Beruf ist und er seine neue Tätigkeit deswegen lieber für sich behält - was natürlich eine Menge Probleme mit sich bringt.

Der Film von Yojiro Takita hat durchaus lustige Momente, wenn auch die bewegenden oder traurigen überwiegen: Immerwieder wäscht, schminkt, bekleidet Daigo Tote jeden Alters und begleitet die Trauergemeinschaft in ihren letzten Stunden - bis der Sarg im Ofen verschwindet.

Einer der schönsten Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe, anrührend, traurig, nachdenklich. Berechtigterweise hat er viele Auszeichnungen erhalten, nicht zuletzt den Oscar für den besten ausländischen Film 2009 (wobei ich die Konkurrenzfilme nicht kenne). Die Annäherung an das Thema ist in einer außergewöhnlich würdevollen Art und Weise geschehen, ohne den Tod als etwas Fremdes darzustellen (ganz im Gegenteil) - und gleichzeitig ist der Film ein Plädoyer für das Leben. Hier ist der Film ein wirkliches Kunstwerk.

Der Taschentuchverbrauch war mit Sicherheit überdurchschnittlich hoch (nicht nur bei mir).

Die Klänge des Wiegenliedes von Brahms tun das Ihrige dazu, besonders als Daigo nach einiger Musik-Abstinenz sein Cello aus Jugendtagen auf dem Dachboden hervorkramt...

Doch einige Wermutstropfen will ich nicht verschweigen: An einigen Stellen, besonders in den Nebenhandlungen, trieft der Kitsch, dass es einen nicht wundert, wieso der Film ausgerechnet in den USA so erfolgreich werden konnte. Auch dass die handelnden Figuren eine große persönliche Krise brauchen, um zu erkennen, was oder wer wirklich zählt im Leben, zeugt nicht gerade von großer charakterlicher Tiefe der Figuren und auch nicht gerade von Vertrauen in die Zuschauer - das war mir etwas zu simple.

Der Film ist mit 130 Minuten (+ Werbung und Vorschau) recht lang - also nicht wie ich den Fehler machen, in eine Spätvorstellung zu gehen!

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